Irischer Konzern schluckt GW Pharmaceuticals

Zuerst Sativex, dann Epidyolex, dann eine milliardenschwere Übernahme – und schon ist aus dem Nichts ein riesiger Pharmakonzern entstanden, dessen Krakenarme in allen Töpfen der globalen öffentlichen Gesundheitssysteme stecken und der 70 Prozent des globalen Cannabis-Medikamente-Markts hält. Eine Analyse des Verkaufs von GW Pharmaceuticals an JazzPharm.

Die Kunde geht seit einigen Tagen durch sämtliche handels- und börsenorientierten Blogs: Jazz Pharmaceuticals aus Irland hat die am Cannabis-Sektor legendären GW Pharmaceuticals, britischer Rechte-Inhaberin und Herstellerin der Cannabis-Phytopharmaka Sativex und Epidyolex, um über sieben Milliarden US-Dollar aufgekauft. Damit gehören JazzPharm nun zwei der drei global verschreibbaren Medikamente, deren Wirkstoffe aus Cannabis gewonnen werden. Das wirft ein paar Fragen auf, die wir uns beantworten wollen.

Warum Irland?

Dass ein in Irland ansässiges, vollkommen Cannabis-fernes Unternehmen plötzlich mit einer für es völlig untypischen Riesensumme in den Cannabis-Markt einsteigt, ist sicherlich auch eine Standort-Frage. Im kalten Dauerregen des äußersten Außenposten der EU sind die Steuern so niedrig wie sonst nur in ominösen Steueroasen. Sieht man sich genau an, wo diese Firma ihre Produkte fabriziert, landet man mitten im Insel-Herzen des entlegenen Eire, im flachen Niemandsland eines Industrieparks namens Monksland nahe einer nebelhaften Ortschaft namens Athlone. Es ist ein weiter, kalter, langweiliger Weg dorthin – nicht nur für eine Firma, die eigentlich im sonnigen Kalifornien gegründet wurde.

Wer ist JazzPharm?

Die Undurchsichtigkeit bei Pharmakonzernen ist immer wieder erstaunlich; auch Jazz Pharmaceuticals macht hier keinen Unterschied. Das Unternehmen hatte bisher ausschließlich mit Medikamenten für Schlafstörungen und zur Krebstherapie mit Schwerpunkt auf Blutkrebs-Formen zu tun. Das „Zugpferd“ unter den JazzPharm-Produkten ist aber Xyrem, das in den USA meistverschriebene Mittel gegen Narkolepsie, für dessen irreführende Vermarktung JazzPharm bereits einmal rechtskräftig verurteilt wurde. Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Narkolepsie und Cannabis: Die neuropsychiatrische Schlafstörung, bei der Betroffene immer wieder in den unmöglichsten Situationen plötzlich in Tiefschlaf verfallen, scheint ein Kandidat für die Behandlung mit Cannabinoiden zu sein. Erste Studien weisen in diese Richtung, mehr dazu unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31642794/ sowie https://tanasi.com/cbd-and-narcolepsy/

Interessanterweise erschien JazzPharm erst 2010 auf der internationalen Bildfläche, mit einem Mittel gegen Fibromyalgie, eine immer noch recht mysteriöse Nervernschmerz-Störung, gegen die ebenfalls Cannabis häufig sehr gute therapeutische Erfolge zeitigt. Auch hierzu gibt es neuestes Erkenntnisse.

Ein Jahr später stieg JazzPharm in den Markt der Anti-Krebs-Mittel ein und begann, Käufe und Verkäufe von Firmen und Geschäftszweigen zu tätigen. Diese starteten bei dreistelligen Dollar-Millionensummen und steigerten sich schnell auf Milliardenhöhe. JazzPharm hat inzwischen mehrere Firmen aufgekauft, deren Mittel weltweit sehr intensiv gegen Leukämie eingesetzt werden – stets durch Transaktionen in Dollar-Milliarden-Höhe. Freilich betrugt die letzte Milliarden-Übernahme in 2016 gerade einmal 1,5 Milliarden Dollar. Die jetzige GW Pharmaceuticals-Übernahme mit 7,2 Milliarden Dollar stellt hierbei einen Höhepunkt und gewaltigen Sprung dar. Mit so viel Geld könnte man eine 50.000-Einwohner-Stadt aufstellen, inklusive kompletter funktionierender Infrastruktur. JazzPharm ist also spätestens jetzt zweifelsohne ein Pharma-Weltkonzern.

Wo kommt das Geld her?

Das alles geschieht selbstverständlich vor aller Augen. Die gesamte JazzPharm-„Erfolgs“geschichte ist frei auf Wikipedia nachzulesen, sogar die Verurteilung wird erwähnt. Nicht allerdings, wem dieses Unternehmen eigentlich gehört. Es ist schließlich eine Aktiengesellschaft, gehandelt an der New York Stock Exchange. Also kann sich im Grunde jeder, der eine Aktie von JazzPharm ersteht, zum Miteigentümer aufspielen. Was allerdings nicht sehr empfehlenswert erscheint: Wikipedia weist für 2017 einen Verlust von einer halben Milliarde US-Dollar im Operating Income für JazzPharm aus. Da fragt sich vielleicht so mancher, wo das Geld für die GW-Übernahme herkommt. Das ist bei Aktiengesellschaften nie leicht feststellbar. Einer der Hauptabnehmer der Produkte von JazzPharm ist jedenfalls die EU. Man kann davon ausgehen, dass die Mitgliedsstaaten Jahr für Jahr gewaltige Geldsummen zu dem in Irland ansässigen Pharmakonzern pumpen. Dieses Geld stammt, trivial gerechnet, aus den europäischen öffentlichen Gesundheitssystemen. Es ist jenes Geld, das wir alle in unsere Krankenversicherung einzahlen.

Das große Geschäft

Man kann nicht darüber diskutieren, dass der Deal zwischen Jazz und GW obszön ist. Jazz zahlt für GW 50% mehr, als die Aktien derzeit wert sind – etwa 90 Prozent davon in Cash, den Rest in Jazz-Aktien. Aber unter welchem Licht man die Sache auch immer betrachten möchte: Das Geschäft mit Cannabis, bisher eigentlich eine Nische, ist entlang dieser Riesen-Übernahme in eine neue Liga aufgestiegen – jene des ganz, ganz großen Geldes. Das kann man sinnbildlich sehen und einschätzen, wenn man schlicht zusammenfasst, worum es hier geht. Es geht um Hanf – eine Pflanze, die fast überall wächst, extrem robust gegen Umwelteinflüsse und Schädlinge ist, enorme Mengen von Biomasse unter sehr geringen Ansprüchen und Bedürfnissen abwirft und deren Nutzung und Anwendungsmöglichkeiten so breit und vielfältig sind wie die keiner anderen Pflanze. Anders gesagt ist es die bedeutendste Pflanze, die der Mensch kennt – ein Unkraut, das überall für jeden in Massen wachsen könnte, wäre es nicht fast überall unter Androhung von schwerem Kerker verboten.

https://AROMAKULT.com ist ein österreichisches Familienunternehmen und verkauft Produkte aus ausschließlich natürlichem, regional gezüchteten Hanf.